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Von Tokio bis zum Wiener Underground
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12 Min.
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Backstage beim Wrestling in Tokio

Im Sommer 2024 fand ich mich an einem Sonntagnachmittag in einer muffigen, nach Schweiß riechenden Mehrzweckhalle wieder: Neben mir schlug ein Ringansager regelmäßig und heftig auf einen lauten Gong, dazwischen immer wieder dröhnender Techno. Vor mir sah ich Frauen in glitzernden, bunten Kostümen zu, wie sie sich gegenseitig anschrien, schlugen, traten, herumwarfen und dann irgendwann auf die Matte pinnten. Ich war beim Professional Wrestling. In Tokio.
Von Andreas Fischer
Die Wrestlerin Thekla mit Pokal zwischen Zuschauerinnen und Zuschauern in Tokio.
beim Wrestling in Tokio
Fotos aus Tokio und dem Weberknecht: Andreas Fischer © The Kurious Magazine · Sammelbilder: Scans aus einem WWF-Quartett von 1992 · Promofoto Thekla Kaischauri: mit freundlicher Genehmigung von Stardom

Professional Wrestling ist eine seltsame Angelegenheit. Die Verwirrung beginnt dabei bereits beim Wort professional, das das Ganze irgendwie offiziell, geregelt und als Sport darstellen soll. Spoiler: Damit hat es wenig zu tun. Was die halbnackten Erwachsenen im Ring machen, ist sicher athletisch, aber es ist kein Sport. Es ist Entertainment. Ein körperliches Rollenspiel des Sich-gegenseitigen-Schmerzzufügens. Und das Seltsame daran ist, dass sich dadurch weltweit Millionen von Menschen in den Bann ziehen lassen.

Wrestlerinnen im Ring der Kōrakuen Hall
Kōrakuen Hall, 1-chōme-3-61 Kōraku, Bunkyo City, Tokyo 112-0004, Japan

Auch für mich lieferten Figuren wie The Undertaker, Bret „Hitman“ Hart oder André the Giant den Stoff für heldenhafte Kindheitsfantasien im Wohnzimmer eines kleinen Hauses im Burgenland in Österreich. 25 Jahre später hatte ich aber eigentlich nichts mehr damit am Hut. Bis ich über eine Wienerin stolperte, die durch seltsame Connections zwischen einem Keller in Wien und einer alten Mehrzweckhalle in Japan zum Wrestling-Star wurde. Ich habe sie besucht, und was ich dort so erlebt habe, erzähle ich euch hier.

Die ganze Geschichte startet auf einer Toilette in Wien

Während meines Klogangs (too much information, aber volle Transparenz!) habe ich eine Zeitschrift durchgeblättert. Darin war ein ganz kurzer Text über eine Wienerin, die in Japan zum Wrestling-Star geworden war. Ihr Name: Thekla Kaischauri. Es war mir neu, dass Wrestling in Japan überhaupt ein Ding ist, aber das machte die Sache nur schräger, und Thekla schien für mich deswegen auf Anhieb die perfekte Protagonistin für ein Hörbuch-Buch-Projekt zu sein, das Iris (die Chefredakteurin dieses Magazins) und ich zu dieser Zeit produzierten.

Kurz erklärt: Wir waren auf der Suche nach Menschen, die mit Motiven aus Kunstwerken im echten Leben zu tun haben. In einem Bild von Pieter Bruegel gibt es einen Narren, der Menschen, die in einem ewigen Kreislauf aus Party (Karneval) und Askese (Fastenzeit) gefangen sind, einen Ausweg offenbart. Konnte das nicht auch eine Wrestlerin sein? Denn was ist eine Wrestlerin anderes als eine lebende Kunstfigur, die irgendwo zwischen Disziplin und totalem Exzess hin- und hergerissen ist?! Irgendwo zwischen Klobrille und Waschbecken war mir dann klar, dass wir nach Tokio müssen. Ich habe mir die Hände gewaschen (wirklich!) und Iris angerufen. Dann, drei Monate, ein paar E-Mails und einen Zoom-Call später saßen wir im Flieger nach Japan. Rückblickend eigentlich total verrückt.

Tokio wirkt müde. Auf eine poetische Art.
Leuchtreklamen in einer Straße in Tokio bei Nacht
Nicht die Kōrakuen Hall, aber auch in Tokio.

Eine Freundin hatte mir vor der Abreise gesagt, Tokio wirke so, als wäre die Zukunft hier schon in die Jahre gekommen. Mir ist bis heute keine bessere Beschreibung eingefallen. Die Stadt ist riesig und pulsierend, aber vieles wirkt abgegriffen: der Lack an den Strommasten, die Farbe an den Hausfassaden. Gleichzeitig ist alles sauber und organisiert. Alles leuchtet, spricht mit dir und macht niedliche Geräusche. Nicht selten steht man einfach da und ist überfordert. Aber trotz all des Hightechs, der Menschenmassen und der Dauerbeschallung wirkt Tokio schon etwas müde. Auf eine sehr schöne und schwer zu beschreibende Art. So auch die Mehrzweckhalle, in der wir Thekla getroffen haben.

Die Kōrakuen Hall, wie sie offiziell genannt wird, ist nicht irgendeine Mehrzweckhalle, sondern vielleicht die berühmteste Mehrzweckhalle der Welt – zumindest für Japaner:innen. Denn sie steht sinnbildlich für den japanischen Kampfsport. Und Puroresu – wie Professional Wrestling dort genannt wird – wird da dazugezählt.

Puroresu ist in Japan seit den 1950er-Jahren so richtig populär. Ein ehemaliger Sumō-Ringer mit dem Namen Rikidōzan war dabei die erste große Figur. Seine Kämpfe wurden im japanischen Fernsehen übertragen, und ihre Dramaturgie bestand meist darin, dass er amerikanische Gegner verprügelte. Auch ohne Psychologiestudium kann man davon ausgehen, dass diese Kämpfe im Japan der Nachkriegszeit wahrscheinlich mehr waren als bloße Unterhaltung.

Shoot

Wrestlerin an den Ringseilen, im Hintergrund das Publikum
Ringecke, Kōrakuen Hall.

Rikidōzan wurde nicht alt. Er starb mit 39 bei einer Messerstecherei. Der Mythos besagt, dass er einen Kampf gegen Masahiko Kimura von einem Work in einen Shoot verwandelte und später den Preis dafür zahlen musste. Wem Wrestling-Slang noch nicht ganz geläufig ist: Ein Work ist ein Match, das nach einer vorher vereinbarten Dramaturgie abläuft. Es heißt, mit Kimura sei ein Unentschieden ausgemacht gewesen. Rikidōzan soll es sich dann aber mitten im Match anders überlegt und aus dem Work einen Shoot gemacht haben. Also: Er machte ernst und besiegte Kimura. Dadurch soll er sich aber mächtige Feinde gemacht haben. Das ist die juicy story seines Todes. Ob sie stimmt, weiß niemand genau – wie so oft beim Professional Wrestling.

Rikidōzan wurde also nicht alt, aber die Kōrakuen Hall, die genau in dieser Zeit gebaut wurde, schon. Und sie wurde über die Jahrzehnte zum Fixpunkt dieser neuen Wrestling-Kultur. Wobei es gar nicht so einfach ist, diesen heiligen Boden tatsächlich zu betreten. Denn entgegen meiner Annahme, dass so eine Halle irgendwo prominent in der Gegend herumstehen müsste, versteckt sie sich im fünften Stock eines Gebäudes, das ich nur als ein 60er-Jahre-Beton-Einkaufszentrum beschreiben kann.

Es riecht nach Schweiß

Schwarzweiß-Porträt von Thekla Kaischauri mit Autogramm
Thekla.

Deswegen müssen die fast zweitausend Menschen, die in diese Halle passen, über zwei sehr alte Aufzüge nach oben gebracht werden. Also auch wir. Als die Aufzugtüren aufgingen, wartete schon die Pressesprecherin der größten Frauenliga Japans, bei der Thekla zu dieser Zeit unter Vertrag stand – Stardom, auf uns. Sie führte uns durch eine Seitentür in das Stiegenhaus, öffnete noch zwei, drei weitere Türen, bis wir plötzlich in einem Teil ankamen, der sehr provisorisch als Pressebereich eingerichtet war. Die Pressesprecherin verschwand und kehrte zwei Minuten später mit Thekla zurück.

Zu meiner eigenen Überraschung war ich etwas starstruck, als sie uns begrüßte. Denn Thekla ist zwar eher klein, also vielleicht 1,60 m, aber in ihrem rot-schwarzen Leder-Wrestling-Outfit, mit den geölten Haaren und einer selbstbewussten Arroganz, strahlte sie eine Power aus, die mich an die VHS-Videos meiner Kindheit erinnerte. Videos, in denen Bret „Hitman“ Hart, The Undertaker oder Hulk Hogan aufeinandertrafen.

Ein Freund von mir hatte eine riesige Auswahl von WWF-Videokassetten bei sich zu Hause. Wir polsterten den Boden in seinem Zimmer mit Matratzen aus, sahen die Matches an und stellten sie sofort nach. Wrestling war dabei auch die seltsame Erlaubnis, sich gegenseitig anzufassen und herumzuwerfen. Buben – und auch Männer – entwickeln ja die merkwürdigsten Rituale, um sich näherkommen zu dürfen. Rückblickend hatte das alles, um ein wenig Psychoanalyse zu betreiben, vielleicht auch irgendeinen homoerotischen Zusammenhang.

Wrestling-Sammelkarte von Bret „Hitman“ Hart
Wrestling-Karten von 1992.
Wrestling-Sammelkarte von Macho Man Randy Savage
 
Wrestling-Sammelkarte des Ultimate Warrior
 
Wrestling-Sammelkarte von Hulk Hogan
Say your prayers and eat your vitamins, brother!

Die Wahrheit liegt dazwischen

Aber vor allem war es ein Spiel, in dem man selbst in den Ring steigen und dabei bigger than life sein durfte. Denn Professional Wrestling ist ein Rollenspiel zwischen den Guten, den Faces, und den Bösen, den Heels, die um den Fame und die Liebe des Publikums kämpfen. Wobei die Seiten ständig wechseln: heute Held, morgen Verräter. Geliebt, ausgebuht, wieder erlöst. Die Grenze zwischen Realität und Wirklichkeit verschwimmt. Und das ist genau so gewollt.

Thekla-Sammelkarte der japanischen Liga Stardom
… und ein Thekla-Zine.

Es gibt sogar einen Begriff dafür: Kayfabe. Ein Kunstwort, das sich – so eine der Theorien – aus der Geheimsprache des Zirkus- und Jahrmarktsmilieus entwickelt hat. Es bezeichnet die stille Übereinkunft zwischen den Wrestler:innen und ihrem Publikum, die gemeinsame Illusion aufrechtzuerhalten. Deswegen überrascht es wahrscheinlich auch nicht, dass die Ursprünge des Professional Wrestlings in Jahrmärkten und Zirkuszelten liegen. Es war und ist eine Spielwiese für gesellschaftliche Misfits, die nirgends richtig hineinpassen und sich deswegen dazu entscheiden, sich eine eigene Welt zu machen. Und darin liegt eine seltsame Power, eine Anziehungskraft, die man auch spürt, wenn man Thekla begegnet.

Buntes Zine-Artwork mit Wrestling-Motiv
 

Sie gab uns ein kurzes Interview mit over-the-top Kommentaren, wie man es von einem Wrestling-Star erwarten würde. Sie kündigte uns direkt an, dass der Kampf – ein Titelkampf – ein Work sei, der zu ihren Gunsten ausgehen werde. Also dass sie eigentlich schon gewonnen hat. Mit einem seltsamen Stolz, mit Insiderwissen ausgestattet zu sein, ging es dann für uns zurück durch das Wirrwarr an Türen und Stiegen in die Halle.

Wrestlerinnen in aufwendigen Kostümen am Ring, kurz vor dem Kampf
Ich sitze eine Reihe weiter hinten.

Die orangenen Hartschalensitze füllten sich nach und nach, und dann war es endlich so weit. Techno dröhnte durch die Lautsprecher, auf einer riesigen LCD-Wall wurden die ersten Kämpferinnen angekündigt, und diese kamen nun alle durch den Haupteingang. Junge Frauen in Fantasiekostümen, wie man sie aus Manga-Comics kennt. Viele Rüschen, kurze Röcke, aufwendige Frisuren. Sie bestiegen den Ring und hielten kurze Ansprachen. Dabei hörte man von den Sitzplätzen in den ersten Reihen laute Klickgeräusche. Dort saßen vorwiegend Männer im mittleren Alter mit Kameras und riesigen Teleobjektiven.

Klick!

Wie ich im Nachgang erfahren habe, haben die auch einen eigenen Namen: Kamera-Ojisan oder Kamera-Onkel. Sie sind eine creepy Eigenheit der japanischen Idol-Kultur. Idols sind junge Frauen in Fantasiekostümen. Sie posieren für Kameras, verkaufen Fotobücher und Autogrammkarten. Frauen-Wrestling in Japan hat diese Logik teilweise übernommen. Idols werden als perfekt choreografierte Fantasiewesen vermarktet, als Projektionsflächen für eben hauptsächlich Männer (mit Fotokameras).

Dann geht es los. Der Ringrichter direkt neben mir schlägt seinen Gong. Es wird still. Man hört das trockene Geräusch der Schläge, krächzende Schreie, die Rufe der Wrestlerinnen und ein tiefes Krachen, wenn Körper auf den Ringboden krachen. Die Atmosphäre ist nicht wie bei einem Sportevent im Westen. Es gibt kein betrunkenes Grölen. Man hört nur die Wrestlerinnen in der Stille der japanischen Zurückhaltung. Deswegen überrascht es fast, wenn dem Publikum bei den spektakulärsten Moves ein lautes OHHHHH…..! entkommt oder sie mit Applaus belohnen.

Nach einigen Kämpfen, die immer krasser und wilder werden, betreten schließlich Thekla und ihre Kumpaninnen den Ring. Sie kämpft an diesem Tag nicht alleine. Es ist ein Kampf zweier Gruppen. Heels gegen Faces. Thekla gehört ganz klar zu den Bösen. Denn als sie eintritt, wird die Musik düsterer und härter. Und dann beginnt das Match, auf das wir so lange gewartet haben.

Kling!

Wir sehen, wie sie sich gegenseitig treten, schlagen und aushebeln. Sie steigen auf die Seile und werfen sich aufeinander. Eine der Kämpferinnen aus Theklas Team beginnt sogar mit Farbe auf die anderen zu spritzen. Dabei überrascht mich die Brutalität der Schläge und der Moves. Sie wirken zwar noch immer gestellt, aber auch nicht ungefährlich. Thekla nennt sich selbst Toxic Spider, weil ihr Kampfstil tatsächlich spinnenartig wirkt: Sie ist hyperflexibel. Sie lehnt sich blitzartig nach hinten, bis sie verkehrt auf allen Vieren im Ring steht, und entkommt damit auch den Schlägen ihres Gegenübers. Das ist ihr Markenzeichen und Teil dessen, was sie in Japan so erfolgreich gemacht hat.

Porträt des Wrestlers Joe Bravo
Joe Bravo, Wrestler aus dem Wiener Weberknecht.

Dabei lernte sie ihr Handwerk – oder entwickelte ihren Charakter, wenn man so will – tatsächlich nicht in Japan, sondern schon in Wien. Zu meiner Überraschung gibt es nämlich auch in meiner Heimatstadt eine lebendige Wrestlingszene, die auf eine seltsame Weise mit der in Japan in Verbindung steht. Sie trifft sich regelmäßig im Keller eines Lokals mit dem Namen Weberknecht. Dort werden seit Jahren legendäre Wrestlingshows abgehalten. Und sie sind auch der Grund, dass so eine Geschichte wie die Theklas überhaupt passieren kann.

Denn organisiert werden sie von Humungus, einem Mann, der seit dreißig Jahren wie ein Fixstern über der Wiener Szene hängt und vor dem, wie ich gelernt habe, auch alle etwas Angst haben. Er ist Mitte sechzig, Tattoos von der Schädeldecke bis zu den Zehen, Großmaul und Leiter einer Wrestling-Schule. Bevor er selbst zu einer Wrestler-Figur wurde, war er Thaiboxer und hat in Asien gekämpft – und dort ist er auf Wrestling gestoßen. Er hat die japanische Wrestlingszene entdeckt, und irgendwann wurde aus dem Kämpfer auch ein Wrestler. Diese Verbindung nach Japan ist nie abgerissen. Deswegen kommen regelmäßig japanische Wrestler:innen nach Wien – und Wiener:innen gehen nach Japan. Thekla ist der berühmteste Fall.

Zurück in Japan sieht alles sehr gut aus für Thekla und ihr Team. Das Publikum hat sich tatsächlich auch etwas aufgewärmt. Die OHHs und AHHs werden regelmäßiger und lauter. Und dann passiert es: Thekla liegt am Boden und wird fixiert. Der Schiedsrichter zählt. Die Glocke erklingt. Die Hand der Gegnerin wird in die Höhe gerissen. Ein Pokal wird übergeben, aber nicht an Thekla. Wir sind verwirrt und haben das Gefühl, dass uns Thekla zum Narren gehalten hat.

Person von hinten vor einer Bühne im Kellerclub Weberknecht
Das Foto ist dann schon in Wien.

Das Publikum löst sich auf. Auch wir gehen raus. Noch am selben Abend werden wir mit ihr darüber sprechen. Über Kayfabe, über Tokio, über Japan. Sie selbst wird ein paar Monate später in die USA gehen. Und ich ins Weberknecht. Wo für Thekla alles begonnen hatte.

Wenn ihr mir dorthin folgen wollt, könnt ihr euch die Fortsetzung dieser Geschichte im Podcast The Kurious Radio anhören. Mit Originaltönen aus Japan und aus dem Untergrund der Wiener Wrestling-Szene.

Im Keller im Club

Wrestling-Show auf einer kleinen Bühne vor Publikum im Kellerclub
Weberknecht, Lerchenfelder Gürtel 47, 1160 Wien.
Detailaufnahme einer gemusterten Wrestling-Hose
 
WWF-Quartett-Spiel von 1992
WWF-Quartett, 1992.

Thekla „The Toxic Spider“ Kaischauri

Thekla Kaischauri im Wrestling-Outfit, Promofoto
The Toxic Spider.
„Es war wohl die Liebe zum Exhibitionismus. Ich habe früher auch in Punkbands gespielt …“

Thekla Kaischauri stammt aus Wien. Sie lernt Geige, Ballett, besucht eine katholische Privatschule und studiert dann Kunst. Ein Bildungsweg, der zunächst nicht wirklich auf eine Wrestling-Karriere vermuten lässt. Dann bewegt sie sich aber in der DIY- und Comicszene und gründet eine Punkband namens Death Row Groupies. Dabei entdeckt sie auch das Underground-Wrestling in der Wiener Arena.

Aus der Zuschauerin wird schnell selbst eine Wrestlerin. Dabei besucht sie die Wrestling School Austria des Wrestlers Humungus. Auf der Bühne des Kellerlokals Weberknecht am Wiener Gürtel, zwischen Dosenbier und lauter Musik, trainiert sie auf dünnen Matten, während sie parallel noch Kunst studiert. Ihre Diplomarbeit heißt Office Girl – eine Performance, in der sie sich in Bürokleidung durch Büromöbel warf. Das sollte man auch nicht unerwähnt lassen.

Kurze Zeit später nennt sie sich The Toxic Spider. Der Name ergibt sich dabei aus ihrem Stil: Thekla nutzt eine angeborene Hyperflexibilität, um sich in unmöglichen Winkeln zu verbiegen. Oft steht sie verkehrt herum auf allen Vieren, wie eine Spinne, die auf Beute lauert.

Von da an geht es ziemlich schnell nach Japan: Schon ihr vierter Kampf findet vor japanischem Publikum statt. Japan ist für sie fünf Jahre Wrestling-Alltag. Sie arbeitet sich in der japanischen Wrestling-Liga Stardom nach oben, was als Nicht-Japanerin eine Seltenheit ist. Nach einer öffentlichen Auseinandersetzung mit dem Stardom-Management beendet sie dann ihre japanische Karriere: Sie verlässt Tokio und wechselt im Mai 2025 in die USA, wo sie jetzt bei All Elite Wrestling kämpft.

Zum Anhören
Dieser Text ist zuerst im gedruckten The Kurious Magazine erschienen. Das ganze Heft gibt es hier.
The Kurious Magazine
Issue One
082–091