← The Kurious LetterDer Kurious LetterHallo, liebe Kurious-Menschen!
Ich – also hier spricht heute wieder Iris – bin gerade zurück von einer kleinen Bergreise: 4 Tage, 3 Übernachtungen, fast 3.000 Höhenmeter, 5 Blasen, heftiger Muskelkater und sehr, sehr viele wunderschöne Bilder im Kopf.
Und weil ich davor lange nicht mehr am Berg unterwegs war und jetzt einiges gelernt habe, dachte ich mir, ich schreibe euch hier 10 Tipps zusammen, von Packlisten über soziale Etikette bis zum besten Jausenmix, falls ihr auch noch vorhabt, einen Berg zu erklimmen.
Denn ich kann euch sagen: Es zahlt sich aus! Und ... es sind auch sehr viele mittel- bis eher unerfahrene und junge, sehr junge und mittelalte Menschen unterwegs. Also, blöd gesagt: Man trifft am Berg nicht nur alte Kauze.
Also ... hier sind meine 10 Tipps, frisch getestet:

Ich war zum Glück mit einem Profi (meiner Mutter) unterwegs, und die meinte im Vorhinein: „Jedes Gramm hängt sich rein.“ Also pack nur 2 T-Shirts: eines zum Hineinschwitzen, eines zum Nicht-Schwitzen, nur 1 Paar Socken, ein kleines, superleichtes Handtuch, keine Cremen, keine Extra-Dinge (und dazu zählt auch schon ein extra Paar Socken).
Das einzuhalten war in der Realität dann gar nicht leicht. Denn: Was tut man, wenn man auf 1.700 Meter Höhe draufkommt, dass man etwas vergessen hat? Die Antwort ist: damit leben. Oder man borgt es sich von den anderen Gästen auf der Hütte aus. Und man akzeptiert eine einfache Wahrheit: alle schwitzen, alle stinken. Das ist Teil der Experience.
Erlebt, was zu viel Gepäck bedeutet, habe ich dann durchs Zusehen, als wir zwei sehr jungen Jungs, die mit riesengroßen Taschen unterwegs waren, begegnet sind. Erst noch sehr motiviert unterwegs, sind sie dann erst kurz vor Sonnenuntergang und völlig durchnässt bei der Hütte angekommen. Die hätten ein Zehntel ihres Gepäcks gebraucht. Dann wäre der Aufstieg wesentlich leichter gewesen. Ich hoffe, ihnen geht's gut.
Die Sonne am Berg ist irre! Irre schön und irre heiß. Auch wenn es etwas kühler ist als an diesen wahnsinnigen Hitzetagen in der Stadt – sie knallt erbarmungslos auf einen runter. Wenn man erst mal über der Baumgrenze ist und die Sonne entsprechend hoch steht, dann gibt es keinen Schatten mehr.
Was ich in Zukunft mitnehmen würde, ist ein Schweißband, wie aus den 80ern. Denn ich habe geschwitzt ohne Ende. Und der Schweiß rinnt einem in die Augen und das ist unangenehm. Statt einem Schweißband habe ich dann mein Stirnband dafür verwendet. Das war auch ok.
Und zum Wasser: Rechnet nie damit, dass es irgendwo Wasser gibt, auch wenn es vielleicht im Plan so gekennzeichnet war. Das sind die Kilos, die man schleppen muss.

In einen Gebirgssee einzutauchen ist einfach fantastisch! Dazu will ich gar nicht mehr sagen als: Lasst euch solche Gelegenheiten nicht entgehen. Und dafür braucht es keine extra 250 Gramm Gepäck mit Badesachen.
Hütten haben es ja so an sich, dass dort viele mehr oder weniger doofe Sprüche rumhängen. Auf einer Hütte gab es dann aber einen sehr guten: Wer nackt badet, braucht keine Bikini-Figur. Find ich super.
... ist ein bisschen wie Berg-Supertrumpf spielen. Geht ihr da noch rauf? Wart ihr da schon oben? Da war ich vor einem Jahr! Ja, also 3000-er hab ich soundso viele schon gemacht usw. usf.
Lustigerweise habe ich in keinem Gespräch erlebt, dass jemand danach fragt, was man im Leben so tut. Das spielt keine Rolle. Wichtig ist nur, welche Routen man schon gegangen ist und welche man noch gehen will. Dafür ist es gut zu wissen, wie die Hütten, Gipfel und Scharten so heißen.
Und: Diese Art von Small-Talk macht man auch mitten am Weg. Wenn man jemandem begegnet, bleibt man kurz stehen: Hallo! Wo geht's denn ihr noch hin? Ah, zur Gollinghütte. Ja, da kommen wir her. Und dann bespricht man kurz den Routenverlauf oder bekommt so Kommentare wie: Da habt ihr noch viel vor. Da seid ihr eh gleich da.
Mit der Zeit versteht man die Bergetikette und fragt auch so Sachen.

Die Hütten sind oft komplett ausgebucht und echte Profis buchen solche Weitwanderrouten schon im Februar. Manchmal gibt es aber trotzdem freie Kapazitäten – aber unbedingt vorab erkundigen! In einer Hütte gab es eine Gruppe, die wieder absteigen musste, weil es keinen Platz mehr für sie gab.
Bei uns gab es jeden Tag abends ein kleines Gewitter und Regen. Am letzten Tag dann schon zu Mittag. In den Regen zu kommen ist unangenehm, aber in den meisten Fällen machbar. Der Plan war trotzdem, um spätestens 15.00 Uhr bei der nächsten Hütte anzukommen.
Also: nehmt einen Müllsack, öffnet ihn im Rucksack und erst da kommen dann alle Sachen rein. Als meine Mutter das zu mir meinte, dachte ich, sie spinnt. Aber auch andere Leute am Berg hatten dieselbe Idee: Der Rucksack wird nämlich oft – selbst mit Regenschutz – durchnässt. Und was man auf jeden Fall nach einem Regenguss haben möchte, ist: trockene Kleidung. Deshalb der doppelte Schutz durch einen Müllsack. Genial oder?

Das habe ich vorab von Fred bei der Straight-Line-Challenge gelernt: einen Mix aus verschiedenen Nüssen, getrockneten Bananen, Cranberries und sauren (!) Gummibärchen mitzunehmen. Auch das hat sich diesmal bewahrheitet: Das ist die eindeutig beste Kraftnahrung.
Also vielleicht sind nur meine Füße so empfindlich, aber ich habe alle Blasenpflaster gebraucht. Schuhe und Socken muss man eintragen, so die alte Bergsteiger:innenweisheit, die ich nicht berücksichtigt habe, weil meine Schuhe ein Jahr lang im Kasten standen. Der Effekt waren Blasen. Und da half nur, zwei Blasenpflaster übereinanderzukleben.
Wir hatten tatsächlich fast nirgends Empfang, und das ist wirklich erst mal seltsam: niemandem direkt ein Foto schicken zu können oder Bescheid zu geben, dass man okay ist. Also lieber allen vorher Bescheid geben, dass man sich möglicherweise nicht melden wird. Und dann die handyfreie Zeit genießen und in den Himmel schauen.

Ich hoffe, ihr habt einen schönen Sommer!
Liebe Grüße und bis bald,
Iris

P.S.: Das ist der Vogel, den wir am öftesten gehört haben und den ich mit der Merlin-App identifziert habe: Der Zaunkönig.
Außerdem gehört, aber nicht gesehen: Tannenhäher und Bergpieper (was für ein Name!)
