← The Kurious LetterDer Kurious LetterHallo, liebe Kurious-Menschen!
Heute kommt die Post wieder von mir, Iris. Und ich hab euch heute fünf Buchempfehlungen mitgebracht, die speziell für all diejenigen sind, die von sich sagen: Lesen, hmm … das wär schon auch mal wieder schön. Aber … ähmmm … und dann eben kein Buch lesen. Ich glaube nämlich, dass neben all den üblichen Problemen von „keine Zeit“ oder „zu wenig Aufmerksamkeitsspanne“ vor allem eines ausschlaggebend ist: Wir brauchen das richtige Buch als Einstiegsdroge. Was „richtig“ ist, darum soll es heute gehen.

Wer neu ist im Newsletter, er funktioniert so: Mein Kollege Andi und ich wechseln uns hier wöchentlich ab, um euch vor dem Wochenende mal mehr, mal weniger tiefgründige Gedanken darüber ins Postfach zu schicken, wie man mehr Abenteuer und Neugier ins Leben bringt – plus Empfehlungen für Podcasts, Bücher und hin und wieder auch die eine oder andere Challenge.
Meine kleine Nichte, die nicht mehr ganz so klein ist, tut sich mit dem Lesen ziemlich schwer. Für sie sind Bücher ein Kampf und das, obwohl sie wirklich gerne Geschichten hört oder selbst welche erfindet. Das geht so weit, dass sie letztens folgende Frage gestellt hat: Warum liest du, wenn du nicht mehr zur Schule gehst?
Das hat mir, ehrlich gesagt, im Herzen wehgetan. Denn für mich waren Bücher immer der Ort, an dem ich mich zu Hause gefühlt habe. Ich konnte nicht warten, endlich lesen zu lernen, und dann hab ich die gesamte Kinderabteilung der Bibliothek verschlungen. Ganz klassisch nachts unter der Bettdecke, oder auf meinem Lieblingsast in meinem Lieblingsbaum, beim Busfahren und während des Essens, am Klo und beim Haarföhnen – immer hatte ich ein Buch dabei. Das war nicht immer gern gesehen, aber immerhin wurde es über große Teile akzeptiert. Schließlich gilt Lesen ja als etwas Erstrebenswertes, etwas Gutes. Egal, was in den Büchern steht.
Doch irgendwann hat sich meine Beziehung zu Büchern verändert. Irgendwann wollte ich dann nicht mehr alles lesen und irgendwann hat das Streaming von richtig gut erzählten Serien das Lesen abgelöst. Vielleicht, weil die Lust, etwas am Stück verschlingen zu können, damit abgedeckt war.
Denn wenn ich ehrlich bin, habe ich in der Zeit, als ich wirklich, wirklich viel gelesen habe, hauptsächlich Serien gebinged: Tina und Tini, Hanni und Nanni und Fünf Freunde und die Knickerbocker-Bande oder Abenteuerbücher in allen Facetten.
Irgendwann ist dann die Literatur dazugekommen. Hermann Hesse natürlich und die russischen Klassiker, dann auch Literatur von Frauen, die mich beeindruckt hat. Aber damit ist auch ein Shift passiert. Von: Ich lese alles, was ich unter die Finger bekomme. Zu: Ich lese „gute“ Bücher.
Weil es mich interessiert hat, ja. Aber bestimmt auch zu einem gewissen Anteil, weil man diese „guten“ Bücher in der Straßenbahn gerne aus der Tasche holt, weil sie einem – wie ein Accessoire – das Selbstbild bestätigen.
In den letzten Jahren ist da ja in der Öffentlichkeit einiges passiert, was das Bild vom „guten“ Buch geändert hat. BookTok und die ganze New-Adult-/Dark-Romance-Welle haben da ja wirklich Massen bewegt und neue Leser:innen gewonnen. Und damit auch ordentlich aufgeräumt mit der Vorstellung davon, was man lesen darf und was angebracht ist. Aber wenn man jetzt nicht genau in diesem Genre zu Hause ist, wo findet man dann Bücher, die man konsumieren und verschlingen kann?
Das Schwierige dabei ist, glaube ich, dass man einen ganz feinen Sweetspot treffen muss – der noch dazu bei jeder Person an einer ein bisschen anderen Stelle liegt. Irgendwo zwischen unterhaltsam und ein wenig tiefsinnig, nicht zu anspruchsvoll und nicht zu platt, muss er liegen. Es muss Charaktere geben, die ich nicht zu oberflächlich finde, die nachvollziehbar, aber keine Klischees sind, und die Geschichte muss mich mitnehmen, an der Hand nehmen und ins Buch hineinführen. Die Sprache? Schön zu lesen, aber sie darf nicht zu viel wollen. Ich muss dabei sein, aber ich will nicht die Welt erklärt bekommen. Ich will an andere Orte gebracht werden, aber keine endlosen Landschaftsbeschreibungen lesen. Und so weiter und so fort. Wie schwierig kann das sein?
Irgendwann vor mittlerweile vielen Jahren hatte ich dann ein großes Aha, was Bücher betrifft. Auf die Frage in einer Runde von Menschen, was sie denn für den Urlaub als Strandlektüre empfehlen würden, sagte eine Freundin: Donna Leon. Mir hat es damals fast die Sprache verschlagen. Denn ich hätte mit vielen Tipps von ihr gerechnet (vor allem mit der neuesten feministischen Pop-Literatur), aber bestimmt nicht mit Donna Leon. Aber sie blieb dabei. Donna Leon wäre großartig. Die Bücher leicht zu lesen. Die Geschichten schön erzählt. Der Commissario genau richtig schrullig. Die Ehefrau ein bisschen konservativ, aber okay, kann man nehmen. Und das Setting Venedig auch sehr toll.
Ich hab ihren Tipp befolgt und einen Donna-Leon-Krimi ausgeborgt. Und dann noch einen. Und noch einen. Und noch einen.
Donna Leon wäre niemals auf meiner Bucket-Leseliste gelandet, hätte ich diese Empfehlung nicht bekommen. Und ich bin froh, dass es dieser Person nicht zu peinlich war, einen Titel zu nennen, den eigentlich alle kennen. Und dass sie mich so auf eine Reihe gebracht hat, die ganz einfach zu konsumieren ist. Und die sich vor allem dafür eignet, ohne viel Trara zu einem Buch zu greifen.
Ganz ähnlich ist das mit den Tipps, die ich für diesen Newsletter eingesammelt habe. Die Frage war: Welches Buch kannst du empfehlen, das du super gerne gelesen hast, bei dem es dir aber ein bisschen unangenehm oder peinlich ist, darüber zu sprechen? Oder anders gesagt: ein Buch, das du empfiehlst, wenn es nicht um „intellektuelle“ oder „gute“ Bücher geht.

Heated Rivalry von Rachel Reid
Empfohlen von Julia Ritter, die den Podcast Die Buch. Der feministische Buchpodcast hostet und betreibt.
„Auch wenn es ganz viele BookTok-Trends gibt, die ich nicht unterschreiben würde, finde ich bei diesem Buch den Hype gerechtfertigt. Das Buch ist unterhaltsam, die Figuren sind gut gezeichnet, die Geschichte spannend erzählt und auch thematisch hat es mich abgeholt. Es ist für alle ab 18 Jahren zu empfehlen – es ist sehr spicy! Noch spicier als die Serie, wer die geschaut hat. Aber ich find schön daran, dass toxische Männlichkeit aufgebrochen wird, dass es darum geht, wie man lernt, über Gefühle zu sprechen, und dass es um Intimität geht. Es ist eine schöne, heilsame Geschichte.“

22 Bahnen von Caroline Wahl
Empfohlen von Andreas Sator, der den Podcast Erklär mir die Welt hostet und betreibt.
„Das ist nicht so originell, das zu empfehlen, deshalb ist es vielleicht ein bisschen unangenehm, auch wenn mir wenig wirklich unangenehm ist. Es ist gut für den Herbst, ein bisschen melancholisch, aber lebensfroh, schwer und leicht zugleich, mit gewisser Wurschtigkeit durchs Leben.“

Der kleine Hobbit von J. R. R. Tolkien
Empfohlen von Petra, meiner Frau.
„Ich hätte nie gedacht, dass mich Fantasy interessiert, aber den Hobbit habe ich aufgefressen. Es ist wie ein Abenteuerbuch, aber eben für Erwachsene. Man läuft mit dieser Truppe durch Höhlen, dauernd passiert irgendwas Gefährliches. Es ist super spannend und man lebt richtig mit, ohne dass es mich in meinem Alltag betrifft. Also ich muss mir, wenn ich das lese, keine Gedanken über reale Bedrohungen machen. Das finde ich total entspannend.“

Big Magic von Elizabeth Gilbert
Empfohlen von Andi, meinem Kurious-Kollegen.
Peinlich, weil es sehr stark am Esoterischen schrammt. Aber ein Non-Fiction-Buch, das einen zum kreativen Leben inspiriert.

Donna Leon
Diesmal empfohlen von mir, Iris.
Zum Beispiel: Vendetta, Commissario Brunettis vierter Fall.
Wer diese Liste gerne erweitern will, schreibt mir bitte! Am besten direkt an iris@thekuriousmag.com.
Schönes Wochenende und guten Lesestart in den Herbst!
Liebe Grüße und bis bald,
Iris