Müßiggang ist ein altes Wort für etwas, das wir ziemlich verlernt haben: Zeit zu haben, ohne sie zu verwenden. Nicht Erholung, damit man danach wieder leistungsfähig ist. Sondern einfach nichts tun, und zwar ohne das Gefühl, dass gerade etwas versäumt wird.
Dieser Schwerpunkt nähert sich der Sache von drei Seiten. Von der rechnerischen: Wer achtzig Jahre alt wird, hat etwa 4000 Wochen. Oliver Burkeman hat ein Buch darüber geschrieben, und die ernüchternde Pointe daran ist nicht, dass die Zeit knapp ist, sondern dass kein Produktivitätssystem der Welt daran etwas ändert.
Von der historischen: Das Gefühl, dass alles sinnlos und zugleich anstrengend ist, hat einen Namen und ist rund 1600 Jahre alt. Die Wüstenmönche nannten es Acedia und hielten es für die gefährlichste ihrer Anfechtungen. Wer es kennt, wird es wiedererkennen.
Und von der praktischen: Iris hat an einem freien Tag versucht, wirklich nichts zu tun. Keine Liste, kein Bildschirm, keine Verbesserung des eigenen Lebens. Nur eine Parkbank und dieses weite, leicht langweilige Gefühl von Kindheitssommern, das sich irgendwann einstellt, wenn man lang genug aushält.
Nichtstun lässt sich schlecht üben, wenn man es als Übung versteht. Aber man kann es sich erlauben.